PoC Hytera P50 als Einstieg ins FM-Funknetz

Ursprünglich aufmerksam auf das Thema Hytera PoC (Push-to-Talk over Cellular) Geräte, wurde ich durch die Hytalk Bridge von Brandmeister und Chris YO3TCO (Entwickler von HamLink), der diese Geräte ausdrücklich gelobt hat.

Da mich das Thema interessiert, habe ich einfach mal ein Hytera P50 bestellt. Es handelt sich hier um das günstigste PoC Gerät von Hytera, ist aber als „Funkgerät Ersatz“ vollkommen ausreichend. Möchte man das Gerät allerdings als Handyersatz mit Funkfunktion verwenden, ist dieses Gerät natürlich nicht geeignet. Viele Apps funktionieren nicht, da das Gerät keinen Touchdisplay und keinen Google Playstore hat. Ich vermute Hytera hat auch kein wirkliches Interesse, zumindest bei den günstigen Geräten, dass diese „offen“ nutzbar sind. Sie wollen eher an den Abogebühren für Hytalk verdienen und diese Geräte sind eben die Voraussetzung dafür.

Die ersten Versuche mit der Hytalk Bridge (hier benötigt man zur Konfiguration die Software Hytera POC Manager) von Brandmeister waren sehr ernüchternd und aus meiner Sicht nicht QSO fähig. Mit der Modifikation von ein paar Einstellungen (Anti-Shout mode: AUS, Indoor-Mode: AUS, Mikro auf NAH und Audioqualität auf TIEF) hatte es sich gebessert, aber ich war immer noch nicht zufrieden.

Der nächste Schritt war nun mal Zello auszuprobieren, dazu muss man entweder mit der Hytera Software POC Manager oder der Software Vysor (per Sideload) das apk auf dem Gerät installieren. Zello funktioniert auf dem Gerät in einer sehr guten Qualität ohne Einschränkungen.

Auffallend bei dem Gerät sind die hervorragenden NF Qualitäten und der gute LTE-Empfang (besser als bei meinem iPhone 15). Die Akkulaufzeit liegt im Standby bei ca. 3-4 Tagen. Bei Hamlink Nutzung liegt die benötigte Bandbreite bei ca. 40 kbit, somit sollte eine prepaid LTE Karte mit 1 GB pro Monat (ca. 2 EUR/Monat) für die Nutzung ausreichen. Es gibt auch die Möglichkeit in China eine ioT LTE Karte mit globalen Roaming für ca. 10 EUR Jahresgebühr zu kaufen.

Seit 14.02.26 hat Chris eine angepasste Version von HamLink Build 66 veröffentlicht. Damit ist es nun möglich mit der DPAD Navigation (Steuerbutton) die Anwendung zu konfigurieren und entsprechend Einträge zu machen. Die Installation erfolgt analog zu Zello und ist auch parallel möglich. Allerdings muss man Hytalk entfernen, da dies nicht abschaltbar ist. Weiterhin empfehle ich die Advanced Version um u.a. das Monitoring mehrerer TG’s zu aktivieren. Ausserdem unterstützt dies den Entwickler, der viel Zeit in die Erstellung dieser Software investiert hat.
Solltet Ihr Problem bei der Einrichtung haben oder Links zu der Software benötigen, könnt Ihr gerne die Telegram Gruppe hier nutzen. Dort findet ihr auch ein Video des Geräts.

Die Einrichtung erfolgt genauso wie bei der Handy App. Ich empfehle in den Audio settings alles auf Standard zu lassen und nur den Mic Gain vom internen Mic auf -6db zu stellen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass PoC Geräte im Allgemeinen (z.B. Inrico) und im besonderen Hytera Geräte dank der HamLink Unterstützung, eine weitere Möglichkeit sind in das FM-Funknetz mit einer hohen Qualität einzusteigen. Die Modulationsqualität ist jedem Funkgerät überlegen und stellt gerade für den mobilen/portablen Betrieb eine sehr flexible und hochwertige Möglichkeit in das FM-Funknetz einzusteigen ohne auf die Haptik eines Funkgeräts zu verzichten. Ich weiss, dass viele Funkamateure den PoC Geräten sehr kritisch gegenüber eingestellt sind, aber am Ende zählt jedes QSO um unsere Frequenzen zu „verteidigen“ und der Einstieg spielt aus meiner Sicht keine Rolle.

One thought on “PoC Hytera P50 als Einstieg ins FM-Funknetz”
  1. Besten Dank für Deinen ausgewogenen Artikel zum in der Tat umstrittenen Thema PoC. Ich selbst nutze auch gerne Zello-PoC-Geräte, gerade wenn es nun neben dem klassischen thueringen-link Kanal auch die Bridge zu 26269 gibt. Die Sprachqualität ist super und für mich sehr wichtig, dass auch die Einbindung in die Freisprecheinrichtungen von Kfz – zumindest bei meinem Hyundai – besser funktioniert als beispielsweise mit dem Anytone 878.

    Meine Kritik richtet sich daher nicht gegen die Geräte oder Zello an sich, sondern lediglich gegen die Preispolitik der Anbieter. Es werden Geräte mit stark veraltetem Android, den vor Dir beschriebenen Einschränkungen und der Eigenschaft, dass man teilweise noch nicht einmal im Notfall die 112 anrufen könnte, für Beträge > 300 EUR anboten.

    Interessant wäre für mich das Retevis MateTalk L2 mit 2m/70cm und der Möglichkeit diese als Repeater zu nutzen, leider wurde es bislang noch nicht geliefert.

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